Glötzl Florentin: Wenn die Wirtschaft gesättigt ist. Keynes‘ Weg zu Gleichheit und Glück.

26. Jul 2011

(Auszug)

Rund 40 Jahre nach den ersten Rufen „Keynes is dead.“ und rund 65 Jahre nach seinem eigentlichen Tod 1946, erleben wir dieser Tage zumindest eine teilweise Auferstehung von Keynes. Denn die Ereignisse der letzten Jahre sind nicht nur eine Finanz- und Wirtschaftskrise, sondern auch eine Krise eben jener Theorie, deren AnhängerInnen so gerne vom Tod der Keynes’schen Lehre sprechen. Man sollte also angesichts des größten globalen Zusammenbruchs seit den 30-er -Jahren meinen, dass im Gegensatz dazu vom Tod Hayeks, Ricardos und Friedmans gesprochen werden müsste. Dies ist jedoch bei weitem nicht der Fall. Lediglich zu einer gewissen Notwendigkeit staatlicher Interventionen in der Not bekennen sich nun Regierungen und ÖkonomInnen – nur ,solange wir uns in der Krise befinden versteht sich; danach möge der Staat sich doch wieder schön aus allem heraushalten. Wenngleich also in der wirtschaftspolitischen Umsetzung nicht von einer grundsätzlichen Bedeutungszunahme der Keynes’schen Theorie gesprochen werden kann, so ist es zumindest legitim, dies in der Theorie und Wissenschaft zu tun. Allerdings scheint auch der wissenschaftliche Diskurs das Vermächtnis des wohl größten Ökonomen des letzten Jahrhunderts nicht in aller Tiefe zu beleuchten. Oftmals wird Keynes dafür kritisiert, keine langfristige Vision für die Zukunft zu liefern, kein Modell, wie es weitergeht. Doch scheint es, dass die einzige Fundierung dieser Kritik in mangelnder Lektüre zu finden ist. In seinem 1943 geschriebenen, aber leider erst lange nach seinem Tod erschienen Text „Long Term Problem of Full Employment“, schildert er die drei Phasen der wirtschaftlichen Entwicklung, die aus seiner Sicht in Abfolge nach dem Ende des Krieges eintreten werden. Am Ende dieses Prozesses sieht er eine Stagnationswirtschaft, ein „Goldenes Zeitalter“ in dem das Jahrtausende alte ökonomische Problem des Mangels überwunden sein würde. Gänzlich konträr dazu steht die Stagnationsfurcht der WachstumsfetischistInnen, die Politik und Wissenschaft dominieren (Zinn, 2006 S. 1). Früher wie auch heute ist es deren erklärtes Ziel, auf einen möglichst hohen Wachstumspfad zu kommen. Dabei wird jedoch die jahrzehnteübergreifende empirisch überall nachweisbare Tendenz langfristig abnehmender Wachstumsraten vollständig ignoriert. Aus unerfindlichen Gründen wird trotz sechzig Jahren Empirie an einem Modell exponentiellen Wachstums festgehalten (Reuter, 2009 S. 3).

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AutorIn Momentum2011 2011-10-11 17:40:47

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AutorIn Momentum2011 2011-07-26 10:38:11