Girstmair Stefanie: Mikrokredite (an den Beispielen Bangladesch und Nicaragua)

21. Jul 2011

Spätestens seit der letzten Wirtschaftskrise sind die Schlagworte Corporate Social Responsibility, Social Business und Mikrokredite in aller Munde. Die Grünen in Deutschland fordern einen „Green New Deal“, während die Erste Stiftung am Forum Alpbach 2010 die Vergabe von Mikrokrediten an Langzeitarbeitslose ankündigte. Mikrokredite und Social Businesses werden als globales Allheilmittel gegen Armut, Arbeitslosigkeit und soziale Exklusion gehandelt. Welche Ausmaße der Boom rund um diese neuen Wirtschaftskonzepte angenommen hat, lässt sich gut an einem besonderen Ereigniss verdeutlichen: der Vergabe des Friedensnobelpreises 2006 an Muhammad Yunus und die Grameen Bank, und zwar für ihre „Bemühungen soziale und wirtschaftliche Entwicklung von unten zu erschaffen“ (Press Release Nobel Peace Prize 2006). Seither ist die Popularität Yunus und „seiner Erfindung“ Mikrokredite ungebrochen, Kritik an dem Ökonom und seinen Konzepten sucht man im medialen Mainstream vergeblich. Die kritiklose Übernahme des neoliberalen Entwicklungsdiskurses auch innerhalb linker Organisationen hat schwerwiegende Folgen, denn Yunus ist weniger ein sozialer Revolutionär als ein Verfechter von Marktgesetzen und Kämpfer gegen die „Nemesis“ (Yunus 1999) Sozialstaat.

In meinem Beitrag möchte ich den Konzepten „Mikrokredit“ und „Social Business“ auf den Grund gehen und ihr ideologisches Fundament sichtbar machen. Dabei werde ich mich vor allem auf die Studies of Governmentality und im besonderen Ulrich Bröcklings „Unternehmerisches Selbst“ (2007) beziehen. Ich möchte aber nicht bloß bei einer Analyse des Diskurses stehenbleiben, sondern auch die verherrenden Auswirkungen von Mikrokreditprogrammen (an den Beispielen Bangladesch und Nicaragua), über die in europäischen Medien kaum berichtet wird, darstellen und in Bezug zum theoretischen Rahmen setzen.

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Girstmair_2011_Abstract (application/pdf)
AutorIn Momentum2011 2011-07-21 08:42:07