Fuchs Lisa, Wutzlhofer Jürgen: Sharing. Teilen als Gleichheitskonstruktion.

26. Jul 2011


Dialektisch betrachtet ist die Entstehung der ArbeiterInnenbewegung Folge der Industriellen Revolution. Die Erosion einer feudalen Gesellschaftsordung, die Verfügbarkeit (zunft-)freier Arbeiterinnen und Arbeiter und die Fabrik als Organisation arbeitsteiliger und synchronisierter Produktion von Waren machte Arbeit selbst zur Ware. Die Lebensrealitäten von ArbeiterInnen wurden vergleichbar, und das gegenseitige Verstehen der daraus resultierenden Ängste, Bedürfnisse und Forderungen Basis für die Solidarisierung Tausender. Grundlage für die Formierung politischer und gewerkschaftlicher Forderungen war also letztlich ein Bewusstsein über die relative Gleichheit der sich Organisierenden.

Dass die ArbeiterInnenbewegung am Beginn des 21. Jahrhunderts kein Massenphänomen (mehr) ist, hängt auch damit zusammen, dass heute kein Konsens darüber herrscht, wer hier überhaupt gemeint ist respektive aufgrund welcher (gleichen) Interessen vertreten werden soll.

Vereinzelung in kaum synchronisierbare, partikularisierte Arbeits- und Lebenswelten macht es schwer, gemeinsame Interessen und Bedürfnisse auszumachen, die eine politische Bewegung zur Grundlage bzw. zum Gegenstand ihrer Forderungen machen könnte. Die Frage der (Re-)organisation und Mobilisierung von Menschen – auch als Gegengewicht zu herrschenden Machtverhältnissen – ist aber zentral für die Formulierung fortschrittlicher Politikzugänge und die Ermöglichung nachhaltiger Lebensstile.

In unserem Beitrag möchten wir uns damit auseinandersetzen, wie es gelingen kann, Politik auf der Basis neuer Gemeinsamkeiten zu machen. Im Zentrum der Auseinandersetzung stehen die Methoden zur Identifikation der Interessen, die Möglichkeiten des Clusterings dieser sowie Mittel der Organisation gleichgesinnter Gruppen als Voraussetzung für Solidarisierung und das Formulieren politischer Forderungen. Der rote Faden, der sich methodisch durch diese Entstehungsphase neuer politischer Strukturen spinnt, ist das Konzept des „Sharing“. Diese Kultur des Teilens ist zugleich immanter Bestandteil entstehender Projekte: die gemeinsame Nutzung von Gütern, Dienstleistungen, öffentlichem Raum als „shared space“ bzw. der kollaborativen Nutzung bzw. Bearbeitung von (wissenschaftlicher) Information und kreativen Erzeugnissen (mit den dafür adäquaten rechtlichen Grundlagen wie creative commons-Lizenzen).

Im Rahmen des Beitrags sollen drei Zugänge thematisiert werden:

1.     In einer theoretischen Annäherung soll die Frage erörtert werden, was „Sharing“ meint bzw. welche unterschiedlichen Stufen und Formen der Kooperation damit erreicht werden können.

2.     Die genauere Betrachtung einiger unterschiedlicher Beispiele diente der Analyse des Erfolgs der oben geschilderten „Kultur des Teilens“ in die Praxis. Biodiversität und Ressourcen, städtische Lebenskonzepte bzw. Planung für „Shared Social Spaces“, (Zugänge zu) Bildung und Wissenschaft sowie Digitale Information können als Kategorien für die Auswahl einzelner Beispiele dienen.

3.     Aus diesen konkreten Beispielen und dem theoretischen Überbau sollen letztlich Aussagen über Bedingungen abgeleitet werden, die eine Etablierung solcher Konzepte ermöglichen und daher Ausgangspunkt für eine politische Diskussion sein können.

Dokumente zum Download

Fuchs_Wutzlhofer_2011_Abstract (application/pdf)
AutorIn Momentum2011 2011-07-26 12:30:55