Fercher Sonja: Gleichheit und/oder Differenz: Ein fruchtbarer Zugang für eine andere Integrationsdebatte?

26. Jul 2011

Integration wird in Österreich völlig falsch diskutiert, in meinem Beitrag zu Track 5 möchte ich der Frage nachgehen, inwieweit der Zugang „Gleichheit und/oder Differenz“ einen Beitrag zu einem neuen Verständnis von Integration führen kann. Die österreichische Debatte über Migration und Integration geht von einer völlig verfehlten Grundlage aus: Basis der Überlegungen ist ein homogen vorgestelltes „Wir“, das aus den angeblich einheimischen ÖsterreicherInnen besteht, das ebenso homogen vorgestellten „anderen“, den AusländerInnen, gegenübergestellt wird. „Wir“ suchen uns jene, die wir aufnehmen, sehr genau aus“, lautet das Motto der österreichischen Migrationspolitik.“ Mit der Rot-­‐Weiß-­‐Rot Card wurde nun eine neue Regelung gefunden, mit der ZuwanderInnen ausgesiebt werden. Gleichzeitig werden die Regeln für jene weiter verschärft, die bereits da sind. kommt das sehr strenge österreichische Staatsbürgerschaftsrecht, durch das MigrantInnen sehr lange die Gleichberechtigung vorenthalten wird. Selbst wer hier geboren wurde, muss sich erst beweisen, bevor er oder sie als „ÖsterreicherIn“ akzeptiert wird. Nur wie sieht denn eigentlich die Aufnahmegesellschaft aus, in die sich die MigrantInnen integrieren sollen? Diese kann man sich offenbar nur als homogene Gruppe vorstellen. Es wird ein selbstverständliches „Wir-­‐Gefühl“ angerufen, das unhinterfragt zum Ausgangspunkt weiterer Überlegungen gemacht wird. Die zentrale Frage dieses Diskurses ist dabei: Was müssen „wir“ mit den „anderen“ und „sie“ mit und für „uns“ tun, damit Integration funktioniert? Integration vollzieht sich dann ausschließlich an den „anderen“. Differenz, so heißt es, führt zu Parallelgesellschaften. Gleichheit aber, wie sie im Moment von MigrantInnen gefordert wird, führt zur Assimilierung. Dies ist ein falscher Zugang. In meinem Beitrag für den Track „Was ist Gleichheit?“ möchte ich mich mit den Grenzen von Gleichheit und Differenz auseinandersetzen. Zugleich soll darin dem Wechselspiel zwischen den beiden Konzepten nachgegangen werden, also der Frage, ob und wo sie sich gegenseitig ausschließen und einander bedingen, welche Überschneidungen es geben soll und muss. Ziel ist es, der Frage nachzugehen, inwieweit der Zugang „Gleichheit und/oder Differenz“ einen Beitrag zu einem neuen Verständnis von Integration führen kann.

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Fercher_2011_Abstract (application/pdf)
AutorIn Momentum2011 2011-07-26 12:43:43