Felipe Ingrid: Macht Gleichheit glücklich? Und will das der Mensch überhaupt?

26. Jul 2011

„Ein guter Mensch zu sein, gilt hierzulande als Dummheit, wenn nicht gar als Schande.“ Erich Kästner
„Der Mensch ist von Natur aus ehrgeizig und misstrauisch und weiß sich im Glück nicht zu mäßigen.“ Niccolò Machiavelli

In zahllosen Diskussion zum Thema Chancengerechtigkeit, Umverteilung oder auch über gesellschaftliche Werte – im politischen Kontext wie am Stammtisch – sieht mensch sich früher oder später mit in etwa folgender Aussage konfrontiert: „Der Mensch per se ist egoistisch und versucht stets, den persönlichen Vorteil – finanziell, in Bezug auf seinen gesellschaftlichen Status und sein eigenes Fortkommen – zu suchen und zu maximieren.“

Diese These wird wie ein Naturgesetz in den Raum gestellt, mal geschliffen formuliert, mal gespickt mit deftigen Worten. Aber ist diese wohlstandsorientierte Egomanie tatsächlich genetisch programmiert? Oder sind es vielmehr die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die uns vermeintlich dazu zwingen, im Spiel „Survival of the fittest“ immer ganz vorne stehen zu wollen bzw. zu müssen? Macht Geld und Erfolg die Menschen wirklich glücklich? Wer einen tieferen Blick in die eigene Seele wagt, wird schnell feststellen, dass Besitz, Statussymbole und oberflächliche Anerkennung lediglich als Trostpflaster für andere Enttäuschungen dienen können.

Was nachhaltig Zufriedenheit und Glücksgefühl spendet, ist das Gelingen zwischenmenschlicher Beziehungen! In der Liebe genauso wie in der Arbeitswelt, in der Familie wie im Freundeskreis, und letztlich im Rahmen der umgebenden Gesellschaft. Dabei kann finanzielle Sicherheit höchstens als Helfeshelferlein dienen, niemals wird sie emotionale Bereitschaft und Fähigkeit ersetzen. Auf der Suche nach Gleichheit und Glück gilt es, mit dem Paradigma des „egoistisch, ausschließlich wohlstandsorientierten Menschen“ aufzuräumen. Das Streben nach Macht und Geld steckt nicht in den menschlichen Genen, sondern es wird uns anerzogen, aufgezwungen und eingeredet.

Und im nächsten Schritt als Ausrede und Erklärung für die Unverrückbarkeit des herrschenden Wirtschaftssystems artikuliert: „Es geht nicht anders, weil der Mensch nicht anders kann.“ Auf der Suche nach Gleichheit und Glück sollte bedacht werden, ob es sinnvoll ist, die bestehende Chancenungleichheit aufgrund ökonomischer Voraussetzungen, zB im Bildungsbereich, weiter zu vertiefen oder auch die Abschottung vom Rest der Welt in Fragen der Zuwanderung auszubauen. Damit werden Investitionen in die Erhaltung von Ungleichheit getätigt, die als Mittel zur Beförderung der Gleichheit aller Menschen wesentlich effizienter und glücksbringender eingesetzt würden. Auf der Suche nach Gleichheit und Glück stellen sich daher neben ökonomischen und gesellschaftlichen Fragen auch durchaus die philosophischen Fragen: Was macht den Menschen glücklich? Und will mensch das überhaupt?

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Felipe_2011_Paper (application/pdf)
AutorIn Momentum2011 2011-10-11 18:20:08

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AutorIn Momentum2011 2011-07-26 14:00:22