Erler Ingolf: Gleiche Chancen durch ungleiche Pädagogik

21. Jul 2011

Vorbemerkung
Gleichheit kann gesellschaftlich nur im Sinne von Gerechtigkeit gefasst werden. Gleichheit im Sinne von „Übereinstimmung“ ist unrealistisch, da sich die Gesellschaft relational definiert. Ganz im Gegenteil differenzieren sich Funktionen, Systeme und gesellschaftliche Felder immer weiter aus. Daher ist Pluralität und Verschiedenheit wünschenswert. Aus einer kritischen Perspektive abzulehnen ist, wenn sozial relevante Unterscheidungen diskriminierend werden und zu sozialer Ungleichheit führen. Ab diesem Moment, insbesondere wenn soziale Unterschiede im Feld der Bildung ungleichheitsrelevant werden, sollen folgende Gedanken ansetzen.

Die gesellschaftliche Konstruktion der Bildung
Was ist Bildung? Wann ist man „gebildet“? Mit möglichst hohem Schulabschlüsse? Insbesondere, wenn diese in exklusiven Bildungseinrichtungen erworben wurden? Wenn man umfassendes Detailwissen abrufen kann und/oder sich in Oper und Theater zu „benehmen“ weiß? Oder heißt „gebildet“, dass man auf neue Situationen adäquat reagieren kann? Einen Begriff wie „Bildung“ kennt nur die deutsche Sprache. Er ist symbolisch überhöht und mit einem breiten Repertoire an Sinninhalten angelegt. Bildung steht in einem engen Zusammenhang mit Kultur, als Gegenteil von Natur/ Natürlichkeit, und dadurch mit Zivilisation. Damit verbunden ist eine Homologie zwischen geschichtlicher Phylogenese und biographischer Ontogenese, also der Wiederholung der menschlichen Zivilisationsgeschichte im einzelnen Menschen durch Lernprozesse. Bildungsziel ist demnach die Entwicklung zu etwas Höherem, Bildung hat immer auch eine gewisse Nähe zur Literalität. Damit im Zusammenhang steht die Höherbewertung geistiger, kognitiver vor manueller, handwerklicher Bildung.

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AutorIn Momentum2011 2011-11-08 08:57:30

Erler_2011_Abstract (application/pdf)
AutorIn Momentum2011 2011-07-21 13:04:45