Dreidemy Lucile: Das Dr. Engelbert Dollfuß-Museum in Texingtal, Niederösterreich

25. Okt 2010

Abstract Momentum 10 Track 8 „Hegemonie in der Mediengesellschaft”

„Aus der Geschichte lernen … und gegen die Rotfront kämpfen!“ – Das Dr. Engelbert Dollfuß-Museum in Texingtal, Niederösterreich

Als am Ende des 20. Jahrhunderts die langwierige Debatte um ein Haus der Geschichte in Österreich gerade begann, wurde in der kleinen Gemeinde Texingtal in Niederösterreich ein sehr kleines, aber nicht weniger problematisches Projekt in die Tat umgesetzt: Im „Geburtshaus unseres großen Bundeskanzlers und Erneuerers Österreichs“, wie es auf der Eingangstafel heißt, wurde 1998 ein Museum über und eine Gedenkstätte für eine der umstrittensten Persönlichkeiten der österreichischen Zeitgeschichte eröffnet: das Dr. Engelbert-Dollfuß-Museum.

Das Dollfuß-Museum ist in vier kleine Räume aufgeteilt, in denen man anhand von ca. 100 Ausstellungsstücken, 230 Photos und Texten die Hauptstationen von Dollfuß’ Leben und Wirken, nämlich „Kindheit und Jugend“, „Student, Soldat, Agrarfachmann“, „Der Bundeskanzler“ und „Gedenken an Bundeskanzler Dr. Engelbert Dollfuß“ chronologisch nachverfolgen kann.1 Trotz einer verhältnismäßig unbedeutenden Anzahl an BesucherInnen – ca. 10.000 in elf Jahren – bildet das Museum eine der wenigen Kultureinrichtungen vor Ort. Doch entgegen der erklärten dokumentarischen Ziele der KuratorInnen verkörpert das Dollfuß-Museum noch mehr als die vorher Genannten die Unvereinbarkeit zwischen einer kritisch-distanzierten Informationsstelle und einer persönlichen bzw. politischen Gedenkbzw. Andachtstätte. Ausgehend von dieser Beobachtung soll im Folgenden untersucht werden, wie es zu der auffallend späten Errichtung eines solchen Museums gekommen ist, welche Aspekte von Dollfuß’ Leben und Wirken dort ausgestellt werden, und welche geschichtspolitischen Deutungen und Interessen dahinter stehen.

Lucile Dreidemy

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AutorIn Momentum 2011-03-08 20:40:26