Boehm Susanne: Frauen(gesundheits)bewegung in die neoliberale Sackgasse ?

26. Jul 2011

(Auszug)

Neostaatlichkeit und Selbsttechnologie

Die Frauen(gesundheits)bewegung hat einst in den 1970er Jahren u.a. ‚Hilfe zur Selbsthilfe‘, ’selbstbestimmte Entscheidungen‘ und ‚Mündigkeit‘ von Patient_innen innerhalb des Gesundheitswesens gefordert. Heute fördern Gesundheitsträger massiv das Idealbild der aufgeklärten Patient_innen, die verantwortliche Entscheidungen zur eigenen Gesundheit treffen1. Anders jedoch als von der Bewegung einst gefordert, ist das Bild eigenverantwortlicher Patient_innen zu einer (repressiven) Anforderung an die Individuen geworden. Wie Luc Boltanski und Ève Chiapello (1999) argumentieren, gibt es einen zentralen und immer wiederkehrenden Zusammenhang zwischen dem Geist des Kapitalismus und dessen stetem Aufgreifen emanzipatorischer Forderungen sozialer und politischer Bewegungen. Auch Nancy Fraser (2009) zeigt, wie eng die neuesten Formen globaler kapitalistischer Regierungsweisen mit den Neuen Sozialen Bewegungen (seit 1964) verknüpft zu sein scheinen. Gerade die aufkommende Neue Frauenbewegung der 1970er Jahre setzt sie dabei ins Verhältnis zu Veränderungen bzw. Erneuerungen kapitalistischer Ordnungen unter dem Einbezug von Deregulierung staatlicher Ordnungen und fragt: „War es bloßer Zufall, dass Neue Frauenbewegung und Neoliberalismus gleichzeitig, sozusagen als Tandem, in Erscheinung traten und gediehen? Oder gab es zwischen ihnen so etwas wie eine unappetitliche, untergründige Wahlverwandtschaft?“2

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Böhm_2011_Abstract (application/pdf)
AutorIn Momentum2011 2011-07-26 11:10:01