Belabed Alex, Seiringer Joachim: Wohlfahrtsstaat und Krisen: Fallbeispiel Schweden

25. Okt 2010

Abstract Momentum 10 Track 7 „Zukunft des Wohlfahrtsstaates”

„Wohlfahrtsstaat und Krisen: Fallbeispiel Schweden

I Einleitung
Die Entwicklung des schwedischen Wohlfahrtsstaates in der Nachkriegszeit ist eine wichtige Referenz für die Diskussion über die verschiedenen sozialstaatlichen Ausprägungen in Westeuropa. Als in den späten 1970er Jahren Preisstabilität und Finanzkapitalerträge gegenüber Vollbeschäftigung und sozialer Stabilität priorisiert wurden, verlor das umfassende Wohlfahrtsmodell Schwedens, mit seinen hohen sozialen wirtschaftlichen Standards, der Vollbeschäftigung und egalitären Einkommensverteilung, seine Vorbildwirkung für viele Länder. In den neunziger Jahren galt das schwedische Modell als Beleg dafür, dass eine Übersozialisierung in einer globalisierten Ökonomie nicht mehr zu finanzieren sei, ungünstige Anreizstrukturen für eine erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung mit sich bringe und überhaupt dem ökonomischen Zeitgeist (Orientierung an der Logik der Finanzmärkte) widerspricht. Diese Logik zwang selbst sozialdemokratische Regierungen in Schweden zu Einschnitten ins Sozialsystem und zur Beschneidung der eigenen fiskalpolitischen Spielräume. Gerade der letzte Punkt ist umso erstaunlicher, als die Anfälligkeit des finanzkapitalistischen Systems mit Fortdauer der neoliberalen Ideologie zu steigen begann, und in der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise ihren Höhepunkt fand (Schulmeister 2009).

Diese Arbeit ist folgendermaßen gegliedert. Kapitel zwei und drei zeichnen ein Bild der schwedischen Volkswirtschaft sowohl im
historischen Kontext, als auch der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise. Dabei werden die wichtigsten ökonomischen Variablen im Zeitablauf der letzten Jahre dargestellt.

Kapitel vier legt den Fokus auf die Entwicklung des Sozial- und Wohlfahrtsmodells in Schweden im Lichte der Strukturreformen, die seit Mitte der 1990er Jahren von den Regierungen vorangetrieben wurden. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf den Finanzierungsstrukturen des Sozial- und Wohlfahrtsstaates in Schweden. Ein Unterabschnitt dieses Kapitels beschäftigt sich mit Aspekten der Umverteilung und Gleichverteilung von Einkommen und Vermögen. Gerade Schweden wird in der politischen Landschaft immer wieder als Modell einer möglichst egalitären, demokratischen Gesellschaft angeführt. Wir wollen zeigen, ob Schweden dieses Prädikat zu Recht verliehen wird.

Im Schlusskapitel wollen wir einige politische Ableitungen anführen und Wege aus dem Dilemma der linken Parteien in Schweden aufzeigen. Das gilt besonders für die sozialdemokratische Partei Schwedens, die erst kürzlich – wie so viele ihrer europäischen Schwesterparteien – bei den Parlamentswahlen eine herbe Niederlage einstecken musste.

Alex Belabed, Joachim Seiringer

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AutorIn Momentum 2011-03-04 14:51:41