Thoman Joe: Alternative Wohlstandsindikatoren als Navigationsgeräte zum Glück

26. Jul 2011

(Auszug)

Neue Ansätze zur Messung des Wohlstands

Wenn ein/e PolitikerIn oder ein/e ÖkonomIn heute von Wohlstand spricht so hat er oder sie meist das Bruttoinlandsprodukt im Kopf. Dabei hatte Simon Kuznet, vor 70 Jahren sozusagen der Erfinder des Bruttosozialproduktes, gar nicht vor eine Messgröße für den Wohlstand zu entwickeln. Das von ihm entwickelte Konzept des Bruttonationalproduktes1 sollte schlicht als „Fieberthermometer“ für die wirtschaftliche Entwicklung dienen, um auf Krisen besser vorbereitet zu sein. An eine Messgröße für Wohlstand, Glück oder Lebensqualität hatte er damals nicht gedacht.

Das BIP gibt den Gesamtwert aller Güter und Dienstleistungen an und eignet sich somit gut um die Summe des materiellen Wohlstands einer Volkswirtschaft anzugeben. Unter den impliziten Annahmen, dass (a) zur Bedürfnisbefriedigung ausschließlich Einkommen dient und (b) das BIP/Kopf eine adäquate Messgröße für das individuelle Einkommen ist, wird das BIP bis heute gerne herangezogen um den „Wohlstand“ zu messen. Diese Vorgehensweise beschränkt sich auf den materiellen Wohlstand und ist selbst hier mangelhaft. Die Verteilung der vorhandenen Ressourcen wird ebenso außer acht gelassen wie andere materielle Dinge, die sich nicht monetär bemessen lassen oder schlichtweg nicht erfasst werden können. Dies gilt etwa für Qualitätsverbesserungen bei Produkten und Dienstleistungen, insbesondere bei öffentlichen Leistungen, die nur ungenau oder gar nicht gemessen werden können. Aber auch informelle Tätigkeiten, wie etwa Hausarbeit, Pflege- und Betreuungstätigkeiten werden nicht erfasst. Darüber hinaus bietet das BIP keine Möglichkeit die Nachhaltigkeit von Produkten und deren Erzeugung abzubilden. Tatsächlich eignet sich das Bruttoinlandsprodukt also nur begrenzt als Messgröße um Glück, Wohlbefinden oder die Qualität des Lebens zu messen.

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Thoman_2011_Abstract (application/pdf)
AutorIn Momentum2011 2011-07-26 10:45:36