Tracks

Momentum18: Klasse

Das Generalthema Momentum-Kongress in diesem Jahr ist „Klasse“. Im Zentrum des Austausches stehen die zehn Tracks.

Track #1: Klasse – Schicht – Milieu

Trackmoderation: Carina Altreiter & Stephan Lessenich

  • Lässt sich die Gesellschaft des 21. Jahrhunderts mit Hilfe des Klassenbegriffs sinnvoll fassen? Wenn ja: wie?
  • Wie können wir die gegenwärtige Renaissance der „Klasse“ als sozialwissenschaftliche und historische Kategorie erklären?
  • Können wir – zumal in Anbetracht des Nord-Süd-Konfliktes – von „globalen Klassen“ und analogen Interessen ausgehen?

Foto Carina AltreiterFoto Stephan Lessenich Carina Altreiter, Soziologin, forscht und lehrt am Institut für Soziologie an der Universität Wien. Ihre Forschungsbereiche umfassen Arbeit und Beschäftigungsverhältnisse, sozialer Wandel, soziale Ungleichheit, Anerkennung und Solidarität. 2017 hat sie zur Relevanz der Klassenherkunft im Leben junger IndustriearbeiterInnen an der Universität Wien promoviert. Stephan Lessenich lehrt Soziologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Er ist Special Fellow der Kollegforschergruppe „Postwachstumsgesellschaften“ an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Von 2013 bis 2017 war er Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Soziologie.

 

Track #2: Interessen organisieren: Strategien und Konfrontationen

Trackmoderation: Susanne Haslinger & Christina Schildmann

  • Was lässt sich von Beispielen erfolgreicher Interessensvertretung lernen?
  • Wie lassen sich Solidarität und gemeinsame Identität in immer vielfältigeren Gesellschaften organisieren?
  • Was folgt aus (fehlendem) Klassenbewusstsein und sozialen Aufstiegsversprechen progressiver Bewegungen?

Foto Susanne Haslinger#2 Christina Schildmann_quad Susanne Haslinger ist Juristin und in der Produktionsgewerkschaft (PRO-GE) mit Sozialpolitik und Grundlagenarbeit befasst. Ihr Tätigkeitsbereich reicht von sozialpolitischen Themen wie Arbeitszeitpolitik, Verteilungsfragen, „Just Transition“  oder Beschäftigtendatenschutz bis hin zur arbeitsrechtlichen Beratung und gerichtlichen Vertretung von ArbeitnehmerInnen und Betriebsräten vor Gericht. Sie ist seit vielen Jahren in der Interessenvertretung von ArbeitnehmerInnen tätig, begonnen hat sie ihren diesbezüglichen Werdegang in der Arbeiterkammer Wien. Christina Schildmann hat zunächst eine Ausbildung zur Werbeassistentin gemacht, und im Anschluss für mehrere regionale Zeitungen geschrieben, bevor sie Politikwissenschaft, Geschichte und Germanistik studierte. Nach dem Studium hat sie u.a. als Redenschreiberin im SPD-Parteivorstand gearbeitet und als Referentin für Familienpolitik und Geschlechterforschung in der Friedrich-Ebert-Stiftung. 2015 bekamt sie die Gelegenheit, sich in das Thema Digitalisierung und die Zukunft der Arbeitswelt zu vertiefen – mit ihrem Team betreute sie eine Kommission zur “Arbeit der Zukunft“. Seit Anfang des Jahres 2018 leitet sie in der Hans-Böckler-Stiftung die Forschungsstelle „Arbeit der Zukunft“, die sich mit der Frage befasst, wie die Gesellschaft den rasanten Wandel so meistern kann, dass Arbeit in der digitalen Wirtschaft Teilhabe und Zukunftsperspektiven für alle bietet.

 

Track #3: Wir und die Anderen: Klasse und Identität

Trackmoderation: Can GülcüGloria Kutscher

  • Wie hängt die Formation von Klassenbewusstsein mit der Ausbildung von individueller und kollektiver Identität zusammen?
  • Wo liegen die „feinen Unterschiede“ in unserer Gesellschaft – wie werden sie vorangetrieben, kodifiziert und schließlich festgelegt?
  • Welche Rolle spielt die Kategorie Klasse im Selbstverständnis von Emanzipationsbewegungen im Kontext von race und gender?

 

Foto Can GülcüFoto Gloria Kutscher Can Gülcü arbeitet als Kulturschaffender in Wien an den Schnittstellen verschiedener Kunstformen und politisch-partizipativer Kulturarbeit mit Fokus auf gesellschaftliche, politische und soziale Machtverhältnisse. Er ist verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit des UNDOK-Verbands zur gewerkschaftlichen Unterstützung undokumentiert Arbeitender in Österreich. 2012-2015 Co-Leiter des Kulturfestivals WIENWOCHE und 2012-2014 Co-Leiter der Shedhalle Zürich. Lehrbeauftragter am Institut für Pädagogische Professionalisierung an der Karl-Franzens-Universität Graz, Vorstandsmitglied der Menschenrechtsorganisation SOS Mitmensch und Co-Autor von „Beograd Gazela – Reiseführer in eine Elendssiedlung“. Gloria Kutscher arbeitet am Institut für Gender und Diversität in Organisationen, Department Management, Wirtschaftsuniversität Wien (WU). Ihre Forschung ist zwischen Organisations- und Diversitätsstudien verortet. Ihr Forschungsinteresse richtet sich speziell auf Ungleichheiten (inequalities), soziale Klasse und Identität aus Organisationaler und Diversitätsperspektive. In ihrer Dissertation beschäftigte sich Gloria Kutscher mit der Verknüpfung von Klassen- und Diversitätscharakteristiken und wie mittels dieser heterogene sozio-ökonomisch benachteiligte Kollektive identifiziert und adressiert werden können. In ihrer weiteren Forschung legt sie ein Augenmerk auf das Zusammenwirken zwischen struktureller und subjektiver Klassenzugehörigkeit, die Rolle von Repräsentationsorganen wie der Gewerkschaft, Sinnstiftungsprozesse (sensemaking) und Identitätsarbeit (identity work) sowie soziale Netzwerke und klassierte Karriereentscheidungen von jungen Menschen.

 

Track #4: Hegemonie und Öffentlichkeit im digitalen Zeitalter

Trackmoderation: Kathrin Ganz & Anna-Katharina Meßmer

  • Welche neuen und alten Fronten zwischen Klassen finden sich im Netz wieder?
  • Wie prägen Plattformen und Algorithmen digitales Verhalten im Allgemeinen und politische Prozesse im Speziellen?
  • Was sind Inklusionschancen und Exklusionsgefahren eines digitalen Klassenkampfes?

Foto Kathrin GanzFoto Anna-Katharina Meßmer Kathrin Ganz ist Sozialwissenschaftlerin und lebt in Hamburg. Sie beschäftigt sich mit politischen Diskursen in digitalen Öffentlichkeiten, Netzpolitik und dem Wandel wissenschaftlicher Puplikationsgepflogenheiten (Open Access). Sie war an zahlreichen netzkulturellen Projekten beteiligt. 2018 erschien ihr Buch „Die Netzbewegung“, eine hegemonietheoretische und intersektionale Studie über die digitale Bürgerrechtsbewegung in Deutschland. Anna-Katharina Meßmer ist Leiterin der Geschäftsstelle des Forschungsinstituts für gesellschaftliche Weiterentwicklung (FGW). Zuvor verantwortete sie als Lead Strategic Development die strategische Partnerentwicklung und Sales bei dem Meinungsforschungs-Startup Civey. Die promovierte Soziologin ist Mit-Initiatorin von #aufschrei, dem ersten Hashtag, der 2013 mit dem Grimme-Online-Award ausgezeichnet wurde.

 

Track #5: Recht haben, Recht bekommen, Recht gestalten

Trackmoderation: Maria Lee & Eva Pentz

  • Kommt dem Begriff der „Klassenjustiz“ in der Gegenwart noch Berechtigung zu?
  • Welche Rolle können kollektive Interessensvertretungen und Klagsrechte von Verbänden bei der Beseitigung von Machtungleichgewichten in unserer Gesellschaft spielen?
  • Und welche Potenziale und Schranken hat die Rechtspolitik, um eine Gesellschaft der Gleichheit durchzusetzen?

Maria Lee FotoFoto Eva Pentz Maria Lee ist Uni-Assistentin (uni:docs, prae doc) an der Universität Wien am Institut für Rechtsphilosophie. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die rechtsdogmatischen und rechtsphilosophischen Aspekte des Gleichheitsrechts und die Dekonstruktion von Kategorien im Recht. Nach ihrer Ausbildung zur englischen Anwältin (Solicitor) in London und Nottingham war sie mehrere Jahre in der anwaltlichen und unternehmensjuristischen Praxis in Wien und London tätig. Schwerpunkte ihrer Arbeit waren das Kartellrecht, Gesellschaftsrecht und internationale Projekte. Sie ist Fellow der Vienna Doctoral Academy „Communicating the Law“ und Redaktionsmitglied der University of Vienna Law ReviewEva Pentz hat Rechtswissenschaften und Afrikawissenschaften an der Universität Wien und der Universität Leiden studiert. Derzeit arbeitet sie am österreichischen Rechnungshof. Sie ist seit vielen Jahren in der Redaktion der zeitschrift juridikum – zeitschrift für kritik I recht I gesellschaft aktiv, mehrere Jahre auch als Mitherausgeberin. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen unter anderem im Bereich Versammlungs- und Polizeirecht, der rechtlichen Regulierung des öffentlichen Raumes sowie im Bereich der Parteienfinanzierung.

 

Track #6: Bildung: erben, aufsteigen, herrschen?

Trackmoderation: Ingolf Erler & Iris Schwarzenbacher

  • Inwiefern trägt ein Bildungssystem zur Stabilisierung oder Subversion von Klassen bei?
  • Welches Wissen, welche Fertigkeiten vermittelt unser Bildungssystem? Wie könnten emanzipativere Ansätze aussehen?
  • Wie lässt sich der Erfolg des privaten Bildungssektors in den letzten Jahren erklären und welche Auswirkungen hat er auf das öffentliche Bildungssystem?

Foto Ingolf ErlerFoto Schwarzenbacher Iris Ingolf Erler ist Soziologe in Wien. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen in den Bereichen soziale Ungleichheit,  Zugang und Teilhabe an Bildungsprozessen. Iris Schwarzenbacher ist politische Referentin in der Abteilung Bildungspolitik der Arbeiterkammer Wien. Zuvor war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Hochschulforschung am Institut für Höhere Studien tätig. Ihre Schwerpunktthemen sind Hochschulpolitik, Zugang zu höherer Bildung und die soziale Lage von Studierenden, sowie Digitalisierung und Bildung.

 

Track #7: Die Verteilungsfrage in der Klassengesellschaft

Trackmoderation: Romana Brait & Jakob Kapeller

  • Welche Rolle spielen gesellschaftliche Klassen für die Verteilung von ökonomischen Ressourcen, gesellschaftlicher Teilhabe, ökologischer Belastung und politischer Mitbestimmung?
  • Wie können die gesellschaftlichen Kräfteverhältnisse verschoben werden um Ungleichheit im Kapitalismus zu reduzieren?
  • Können in der Verteilungsforschung überhaupt soziale Klassen anstelle bloßer statistischer Größen identifiziert werden?

 

Foto Romana BraitFoto Jakob Kapeller Romana Brait arbeitet als Ökonomin in der AK Wien und ist privat im BEIGEWUM engagiert. Ihre Schwerpunkte sind Verteilung und Umverteilung im Sozialstaat, Budgetpolitik und Ökonomik der Arbeiterbewegung. Sie bloggt auf blog.arbeit-wirtschaft.at und twittert unter @romanabraitJakob Kapeller ist Philosoph und Ökonom am Institut für Volkswirtschaftslehre der Johannes Kepler Universität Linz. Darüber hinaus leitet er das ebenso an der JKU ansässige Institut für die Gesamtanalyse der Wirtschaft und fungiert als Herausgeber des Heterodox Economics Newsletter.

 

Track #8: Dimensionen der Ungleichheit

Trackmoderation: Astrid Biele Mefebue & Katharina Kreissl

  • Welche aktuellen Erkenntnisse umfassen die einzelnen Dimensionen der Ungleichheit (wie Klasse, Geschlecht, Herkunft) und wie gestalten sich diese im Verhältnis?
  • Entsprechen die aktuellen rechtlichen Möglichkeiten, Diskriminierungen oder Ungleichheiten zu bekämpfen den gesellschaftlichen Herausforderungen?
  • Wie können zentrale gesellschaftliche Aushandlungsräume (wie Schule, Arbeitsplatz, öffentlicher Raum) gezielt gestaltet werden?

Foto Astrid Biele MefebueFoto Katharina Kreissl Astrid Biele Mefebue ist Vertretungsprofessorin für die Soziologie der Diversität am Institut für Diversitätsforschung der Georg-August-Universität Göttingen. Sie beschäftigt sich mit Fragen des Erlebens und der Bearbeitung von Diversität, Gleichheit und Differenz in Organisationen. Dabei interessiert sie sich auch für Prozesse des gemeinsamen Forschens mit Akteuren aus der außerhochschulischen Praxis. Katharina Kreissl ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl Diversitätssoziologie an der Technischen Universität München. Davor arbeitete sie an der Wirtschaftsuniversität Wien zur Einführung von New Public Management an österreichischen Hochschulen und deren Auswirkungen auf Wissenschaftskarrieren und Geschlecht, sowie am Institut für Organisation und Lernen der Universität Innsbruck. Sie forscht zu Ungleichheiten in Organisationen, Subjektivierung und Agency.

 

Track #9: Wohlfahrt und Daseinsvorsorge im Spiegel der Klassenverhältnisse

Trackmoderation: Brigitte Aulenbacher & Julia Hofmann

  • Wie kann der Sozialstaat zur Verfestigung, wie kann er zur Überwindung bestehender Klassenstrukturen beitragen?
  • Welche progressiven Potenziale bieten Systeme der Selbstverwaltung in der Theorie und in der Praxis?
  • Welche Auswirkungen haben Ausgliederungen und Privatisierungen auf gesellschaftliche Machtverhältnisse und innerbetriebliche Arbeitsbeziehungen?

Foto Brigitte AulenbacherFoto Julia Hofmann Brigitte Aulenbacher arbeitet als Soziologieprofessorin in der Abteilung für Gesellschaftstheorie und Sozialanalysen des Instituts für Soziologie an der Johannes Kepler Universität Linz. Sie ist Mitherausgeberin des Global Dialogue, des Magazins der International Sociological Association, das soziologische Erkenntnisse einer breiten Öffentlichkeit zugänglich macht. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen in der Gesellschafts- und Kapitalismusanalyse, der Arbeits-, Care- und Geschlechterforschung. Aktuell forscht sie u.a. zur 24-Stunden-Betreuung. Julia Hofmann arbeitet als Soziologin in der AK Wien und ist privat u.a. beim BEIGEWUM engagiert, in der Redaktion der Zeitschrift Kurswechsel sowie im Vorstand des Jahoda-Bauer-Institutes. Ihre Schwerpunkte sind soziale Ungleichheit, Arbeits- und Gewerkschaftsforschung sowie politische Soziologie.

 

Track #10: Ökologie und die soziale Frage

Trackmoderation: Markus Koza & Irmi Salzer

  • Welche Widersprüche, welche Synergien gibt es beim Adressieren von sozialen und ökologischen Fragen?
  • Wie verhalten sich Wachstums-, Globalisierungs- und Verteilungsfragen zueinander?
  • Wie werden (vermeintliche) Widersprüche zwischen sozialen und ökologischen Fragen in verschiedenen ökonomischen Perspektiven konstruiert bzw. aufgelöst?

Foto Markus KozaFoto Irmi Salzer Markus Koza hat Volkswirtschaft an der WU Wien studiert und ist Bundessekretär der AUGE/UG – Alternative, Grüne und Unabhängige GewerkschafterInnen in Wien, Betriebsrat. Als Vorsitzender der Unabhängigen GewerkschafterInnen im ÖGB vertritt er diese im ÖGB-Vorstand und ÖGB-Bundesvorstand. Arbeitsschwerpunkte: Verteilungsfragen, sozial-ökologische Transformation, Wirtschaftsdemokratie, Arbeitszeitpolitik, Gewerkschaftspolitik. Irmi Salzer ist Biobäuerin im Südburgenland, war lange Jahre Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der ÖBV-Via Campesina Austria und arbeitet nun als Expertin für Agrarpolitik mit dem grünen Europaabgeordneten Thomas Waitz. Sie engagiert sich in der Bewegung für Ernährungssouveränität und gegen unfaire Handelsabkommen. Sie ist Vorstandsmitglied der Grünen Bäuerinnen und Bauern und des Fußballvereines ihres Heimatortes Litzelsdorf.