„Die Welt gehört nicht denen, die für Ungleichheit sind“

28. Okt 2011

Momentum Keynote Speakerin Elfriede Hammerl erklärt im Interview mit dem „Moment“, warum politische Vernetzung die beste Strategie für Veränderung ist.

Der Moment: Das Thema „Gleichheit“ oder eher „Ungleichheit“ begleitet Sie seit langem in ihrer Arbeit. Setzt dabei nicht irgendwann die Resignation ein?

Elfriede Hammerl: Natürlich gibt es Zeiten, in denen ich mir denke, „am liebsten würde ich den Hut auf alles hauen“, aber im Grunde ruft das schon eher meinen Widerstandsgeist wach und fordert meinen Zorn heraus. Man darf die kleinen Schritte und die ei- genen Möglichkeiten nicht unterschätzen.

D.M.: Welche Hoffnung legen sie dann in Veranstaltungen wie Momentum?

E.H.: Ich finde jeden Beitrag gut, der sich diese Ungleichheit vornimmt und ich glaube es ist ganz wichtig zu sehen, dass die Welt nicht denen gehört, die für die Ungleichheit sind. Es ist auch eine Bestärkung der eigenen Position. Sonst hat man das Gefühl, man kämpft auf verlorenem Posten oder man beginnt an das Falsche zu glauben. Und im Moment zeigt sich ja ohnehin an allen Ecken und Enden, dass die Leute diese Entwicklung satt haben. Das finde ich sehr hoffnungsvoll.

D.M.: Sie haben in ihrer Rede betont „Wer niemanden kennt, ist ein armer Hund“. Was raten Sie jungen Menschen, die nicht über die nötigen Kontakte verfügen?

E.H.: Ich finde es sehr schlimm, dass man ihnen so wenig mit auf den Weg geben kann. Man kann eigentlich nur sagen: Wehre dich! Also vernetze dich und zwar in einem politischen Sinn. Man kann ja versuchen, etwas dagegen zu machen, aber nicht im Alleingang, das halte ich für einen Fehler. Ich bin sehr für Individualisierung, wenn es darum geht, einen Anspruch auf die Realisierung per- sönlicher Vorstellungen zu haben – aber grundsätzlich kann man nicht immer sagen, jede ist ihres Glückes eige- ner Schmied. Das muss man immer im Zusammenwirken mit anderen machen.

D.M.: Sie haben 1997 für das Liberale Forum für den Nationalrat kandidiert. Würden Sie heute noch mal diesen Weg wählen, um gemeinsam mit anderen etwas zu verändern?

E.H: Nein. Ich glaube meine Stärke liegt im Schreiben. Auch nicht im Reden, wie sich herausgestellt hat (lacht). Wären wir damals ins Parlament gekommen, hätte ich mich nach Kräften bemüht, etwas Vernünftiges zu tun. Aber im Wesentlichen glaube ich, Politik ist nicht mein Geschäft.

D.M.: Welche politischen Werte haben sie damals dazu veranlasst, sich beim Liberalen Forum zu engagieren?

E.H.: Der Streitpunkt war ja immer, ob es einen Wirtschafts- und einen Gesllschaftsliberalismus gibt. Heide Schmidt hat immer gesagt ‚Das ist ein Programm’, aber ich glaube trotzdem, dass das Liberale Forum hier letztlich auseinanderdriftende Positionen eingenommen hat. Beim Wirtschaftsliberalismus tu’ ich mir schwer – aber die gesellschaftspolitischen Positionen, die damals dort vertreten wurden, haben mir sehr gefallen. Vor allem war das kurz nach dem Frauenvolksbegehren und wir waren der Meinung, dass wir im Liberalen Forum sehr stark für Frauenanliegen eintreten können, das war die Idee dahinter. (TA)

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